Jaguar Sondershow: 65 Jahre E-Type
Text: Ulrich Frede, Bilder: Marius Egli
Erfolgreiche JDCS-Sonderschau «65 Jahre E-Type» am Albisgütli Classics 2026
Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens präsentierte der Jaguar Drivers’ Club Switzerland am 27. September 2026 im Rahmen der Albisgütli Classics eine besondere Ausstellung unter dem Motto «65 Jahre Jaguar E-Type». Die gut besuchte Sondershow im Saal des Gasthauses Albisgütli zeigte nicht nur verschiedene Generationen des E-Type, sondern spannte den historischen Bogen von seinen sportlichen Vorfahren bis zu seinem «Nachfolger».
Neun sorgfältig ausgewählte Fahrzeuge machten sichtbar, wie sich Jaguars Sportwagenentwicklung über mehrere Jahrzehnte hinweg veränderte. Dabei erzählte jedes ausgestellte Fahrzeug eine eigene Geschichte.
Jaguar XK 120 OTS, 1953: Der unrestaurierte Jaguar XK 120 OTS wurde 1953 nach Los Angeles ausgeliefert und befindet sich seit 1990 in der Schweiz. Sein XK-Reihensechszylinder bildete die technische Grundlage für C-Type, D-Type und später den E-Type.
Der XK 120 als Ausgangspunkt
Den Beginn der Ausstellung bildete ein Jaguar XK 120 OTS aus dem Jahr 1953. Der offene Zweisitzer verkörperte den sportlichen Neubeginn Jaguars nach dem Zweiten Weltkrieg und lieferte mit seinem 3,4-Liter-Reihensechszylinder die technische Grundlage für die erfolgreichen Rennwagen C-Type und D-Type.
Das ausgestellte Fahrzeug wurde am 26. März 1953 produziert und über den Jaguar-Händler Hornburg in Los Angeles ausgeliefert. Seit 1990 befindet es sich in der Schweiz. Motor, Getriebe und Hinterachse stimmen gemäss Heritage-Dokumentation mit der ursprünglichen Auslieferung überein. Besonders bemerkenswert ist, dass der XK 120 unrestauriert erhalten geblieben ist und möglicherweise über eine noch nicht vollständig erforschte Rennhistorie verfügt. Sein Reihensechszylinder leistet 119 kW und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 193 km/h.
Der XK 120 war nicht nur ein erfolgreicher Sportwagen, sondern auch Ausgangspunkt einer Entwicklung, die über den C-Type und D-Type unmittelbar zum E-Type führte.
Jaguar C-Type Proteus: Die frühe C-Type-Replica von Proteus orientiert sich an den erfolgreichen Le-Mans-Rennwagen von Jaguar. Der leichte Zweisitzer verfügt über einen 3,4-Liter-Reihensechszylinder mit 200 PS, Rennvergaser und Scheibenbremsen.
C-Type: Jaguars Aufstieg in Le Mans
Der ausgestellte Jaguar C-Type Proteus erinnerte an den Beginn von Jaguars grosser Le-Mans-Ära. Die Bezeichnung C-Type geht auf «Competition» zurück, denn der ursprünglich als XK 120 C bezeichnete Wagen wurde 1951 speziell für den Rennsport entwickelt.
Die frühe Proteus-Replica besitzt einen 3.4-Liter-XK-Reihensechszylinder mit 200 PS und wiegt lediglich 1’060 Kilogramm. Mit einer angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 232 km/h vermittelt sie noch heute einen Eindruck von Jaguars kompromisslosem Rennsportkonzept der frühen 1950er-Jahre. Ihre Spezifikation orientiert sich am siegreichen Le-Mans-Rennwagen, einschliesslich der grossen Sandcast-Rennvergaser und der damals revolutionären Scheibenbremsen.
Gerade diese Verbindung aus geringem Gewicht, hoher Motorleistung, aerodynamischer Karosserie und moderner Bremstechnik machte den C-Type zu einem Meilenstein. Die bei ihm gesammelten Erfahrungen wurden beim D-Type weiterentwickelt und bildeten später eine wichtige technische Grundlage für den E-Type.
Jaguar D-Type Replica: Dieser präzise Nachbau erinnert an den berühmten Jaguar D-Type XKD 525 des schottischen Rennstalls Ecurie Ecosse. Die aerodynamische Form und die fortschrittliche Konstruktion des D-Type beeinflussten die Entwicklung des späteren E-Type massgeblich.
D-Type: der direkte sportliche Vorfahr
Noch deutlicher wurde die Verbindung zum E-Type beim ausgestellten Jaguar D-Type Replica. Das Fahrzeug ist ein sehr genauer Nachbau des berühmten XKD 525 aus dem Umfeld des schottischen Rennstalls Ecurie Ecosse. Es besitzt einen 3,4-Liter-XK-Reihensechszylinder mit 180 PS und bringt rund 1’080 Kilogramm auf die Waage.
Der D-Type übernahm den bewährten XK-Motor, setzte jedoch mit seiner aerodynamisch geformten Karosserie und seiner fortschrittlichen Konstruktion neue Massstäbe. Seine vom Flugzeugbau beeinflusste Formensprache entstand unter der Leitung von Malcolm Sayer und ist in den Linien des späteren E-Type deutlich wiederzuerkennen.
Lange Motorhaube, niedrige Silhouette und fliessende Karosserieflächen machten den D-Type zum gestalterischen und technischen Wegbereiter des E-Type. Der D-Type war damit weit mehr als nur ein erfolgreicher Rennwagen: Er lieferte die entscheidenden Ideen für Jaguars neuen Strassensportwagen, der 1961 in Genf vorgestellt wurde.
Jaguar E-Type Series 1 3.8 FHC, 1962: Der E-Type Series 1 3.8 FHC in Opalescent Gunmetal traf 1962 bei Emil Frey AG in der Schweiz ein. Das regelmässig gefahrene Coupé wurde für mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit behutsam modernisiert.
E-Type Series 1 3.8 FHC: die ursprüngliche Ikone
Jaguar E-Type Series 1 4.2 OTS, 1965: Der E-Type Series 1 4.2 OTS verbindet die ursprüngliche Form des ersten E-Type mit einem drehmomentstärkeren Motor, einem vollsynchronisierten Getriebe und verbessertem Fahrkomfort. Für viele Liebhaber gilt er als eine der ausgewogensten Ausführungen des klassischen E-Type.
E-Type Series 1 4.2 OTS: ausgereifter und komfortabler
Der offene Jaguar E-Type 4.2 Litre aus dem Jahr 1965 zeigte die nächste Entwicklungsstufe der ersten Serie. Äusserlich blieb er der ursprünglichen Form von 1961 weitgehend treu, technisch wurde der E-Type jedoch in wichtigen Punkten verbessert.
Der Hubraum des Reihensechszylinders stieg auf 4’235 cm³. Drei SU-Vergaser versorgen den Motor, während ein neues vollsynchronisiertes Vierganggetriebe das ältere Moss-Getriebe ablöste. Auch der Fahrkomfort wurde verbessert, weshalb viele Liebhaber den Series 1 4.2 als besonders gelungene Kombination aus ursprünglichem Design und ausgereifter Technik betrachten. Das ausgestellte Fahrzeug ist mit 1’290 Kilogramm angegeben und erreicht laut Datenblatt eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 250 km/h.
Der offene Zweisitzer verdeutlichte eindrucksvoll, weshalb der E-Type besonders in den USA zum Symbol für Leistung, Freiheit und britische Eleganz wurde.
Jaguar E-Type Series 2 4.2 FHC, 1970: Der in Old English White lackierte E-Type Series 2 FHC wurde ursprünglich in die USA ausgeliefert und in der Schweiz umfassend revidiert. Der Umbau von zwei Stromberg- auf drei SU-Vergaser und das kurze Originaldifferenzial verleihen ihm besonders viel Durchzugskraft.
E-Type Series 2 FHC: weiterentwickelt für eine neue Zeit
Jaguar E-Type Series 3 V12 OTS, 1973: Der E-Type Series 3 OTS mit 5,3-Liter-V12 und Automatikgetriebe repräsentiert die leistungsstärkste und luxuriöseste Entwicklungsstufe des E-Type. Das umfangreich restaurierte Veteranenfahrzeug leistet 276 PS und besitzt weiterhin zahlreiche Originalteile.
E-Type Series 3 OTS: zwölf Zylinder als Höhepunkt
Jaguar E-Type V12 Group 44 Tribute Car, 1974: Der auf einem ausgebrannten E-Type aufgebaute Group 44 Tribute Car ist eine detailgetreue Hommage an den Rennwagen von Bob Tullius. Sein V12 leistet rund 304 PS, und seit 2011 hat das Fahrzeug bei Einsätzen im In- und Ausland mehr als 30’000 Kilometer zurückgelegt.
Group 44 Tribute Car: Der Renn-E-Type
Jaguar XJS V12: Dieser Jaguar XJS V12 verliess das Werk 1991 und diente anschliessend als Vorführwagen bei Emil Frey AG in Safenwil. Mit seinem 295 PS starken 5,3-Liter-V12 und dem nachgerüsteten Vierganggetriebe mit Overdrive führt er das technische Erbe des E-Type Series 3 auf individuelle Weise weiter.
XJS V12: das Nachfolge-Modell des E-Type?
Den Abschluss der Ausstellung bildete ein Jaguar XJS V12. Das ausgestellte Fahrzeug verliess das Jaguar-Werk am 19. Dezember 1991 und wurde anschliessend als Vorführwagen beim Autocenter Emil Frey AG in Safenwil eingesetzt. In Gunmetal Grey lackiert, nahm es zugleich die Farbwelt des ausgestellten frühen E-Type FHC wieder auf.
Sein 5,3-Liter-V12 leistet 295 PS beziehungsweise 217 kW und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 240 km/h. Besonders interessant ist der kürzlich erfolgte Umbau auf ein manuelles Vierganggetriebe mit Overdrive aus einem Jaguar XJ6 Series 1. Zusätzlich wurde das Differenzial geändert, damit der V12 seine Kraft wirkungsvoller auf die Hinterachse übertragen kann.
Der XJS war kein unmittelbarer gestalterischer Abkömmling des E-Type, übernahm jedoch dessen Rolle innerhalb der Jaguar-Modellpalette und zunächst auch den 5,3-Liter-V12 der Series 3. Während der E-Type als klassischer Sportwagen konzipiert war, entwickelte der XJS die Idee zum komfortablen Hochgeschwindigkeits-Gran-Turismo weiter.
So gesehen hat der E-Type keinen Nachfolger. Er bleit als Modell-Ikone einzigartig!
Neun Fahrzeuge, eine Entwicklungslinie: Vom XK 120 über die Rennwagen C-Type und D-Type sowie alle drei Generationen des E-Type bis zum Group 44 Tribute Car und XJS zeigte die JDCS-Sonderschau die Geschichte, das motorsportliche Erbe und die Weiterentwicklung der britischen Sportwagenikone.
Eine Ausstellung mit klarer historischer Linie